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Da ich vorhin etwas las und ähnliches schon ein paar Mal von Leuten geschrieben wurde...
Das mit dem "linken Patriotismus".

Ich halte auch den Versuch für komplett falsch, Patriotismus einfach „positiv“ zu besetzen und den Rechten zu entreißen. Nach dem Motto: Die haben den falschen Nationalstolz, wir brauchen eben einen offenen, bunten und voll demokratisch knorke Nationalstolz.

Denn auch der freundliche Patriotismus braucht zuerst ein nationales „Wir“. Und damit beginnt sofort die Grenzziehung:

Wer gehört zu diesem Wir? Der Mensch, der hier geboren wurde? Der mit deutschem Pass? Der hier seit 30 Jahren lebt? Der gestern angekommen ist? Und warum sollte einer davon aufgrund seiner Beziehung zum Konstrukt Deutschland einen anderen Anspruch auf gesellschaftliche Zugehörigkeit haben?

Genau deshalb kann ich mit „unser Land“ wenig anfangen.

Deutschland ist kein Naturzustand.

Es ist ein politisches und historisches Konstrukt mit Grenzen, die Menschen gezogen und immer wieder verändert haben. Ich sehe keinen Grund, daraus Stolz oder irgendeine persönliche Identität abzuleiten.

Und deshalb löst „wir wollen unser Land zurück“ bei mir dieselbe entscheidende Frage aus: Von wem eigentlich?

Ich will Nationalstolz deshalb auch nicht den Rechten wegnehmen und anschließend mit den vermeintlich richtigen Werten füllen. Ich will dieses Denken gar nicht haben. Es gibt für mich kein moralisch relevantes „Wir Deutschen“, das vor dem Menschen kommt.

Ein Mensch wird für mich nicht dadurch mehr Teil meiner Solidargemeinschaft, dass er zufällig auf derselben Seite einer Grenze geboren wurde, denselben Pass besitzt oder sich auf dieselbe nationale Erzählung (und damit auch Historie) beruft. Und jemand auf der anderen Seite dieser Grenze wird dadurch nicht weniger Teil davon.

Wenn das gute Leben für alle wirklich „für alle“ heißen soll, dann kann die Nation dafür nicht die exkludierende Klammer sein.

Denn die Nation beantwortet zuerst die Frage, wer dazugehört.

Mich interessiert die entgegengesetzte Idee: Dass niemand erst dazugehören muss.

Also können wir uns jetzt endlich mal um die wichtigen Dinge kümmern, bitte?

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Easydor @Easydor@metalhead.club
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Long post @nocci
Kann deinen Text unterschreiben.
Nur: Was ist mit der Idee, dass es kein Wir braucht, oder zumindest, dass Wir einfach alle sind, die hier leben? Wer herkommt, gehört sofort dazu. Ein Patriotismus, der alle Menschen meint, weil es darum geht, dass es der Gesamtheit der Menschen und dadurch auch dem Land, denn wir alle sind dann das Land, gut geht. Das Land ist also nur der pol. Handlungsrahmen.
Auf ein Land, das alle willkommen heißt, wirklich alle nach Kräften unterstützt und allen 1 gutes Leben ermöglicht, darauf könnte man evtl. sogar stolz sein.
Weil man irgendwo anfangen muss, wenn man möchte, dass es auf der ganzen Welt so ist/wird.
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Long post @Easydor

Ich glaube, wir sind beim Ziel ziemlich nah beieinander.
blobcatyes
Und mit „irgendwo anfangen“ kann ich auch viel anfangen. Natürlich brauchen wir politische Handlungsräume, in denen wir ganz konkret dafür sorgen können, dass Menschen gut leben können.

Wenn dein „Wir“ bedeutet: Wer hier ist, gehört selbstverständlich dazu, dann ist mir das auch sehr viel näher als jedes nationale Verständnis davon.

Ich stolpere nur weiterhin über die Frage, warum dieses Wir an einer Grenze enden sollte. Auch generell.

Deutschland kann für mich ein praktischer politischer Handlungsrahmen sein, ohne daraus gleich eine besondere Gemeinschaft abzuleiten.

Wenn wir "hier" etwas schaffen, das allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht, wäre ich vielleicht auch stolz auf das, was Menschen gemeinsam erreicht haben.

Aber warum sollte der Mensch hinter der Grenze weniger zu meinem „Wir“ gehören als der Mensch vor meiner Haustür?

Genau deshalb frage ich mich, ob wir das national begrenzte Wir überhaupt brauchen und daraus noch sowas wie Patriotismus herleiten.

Wenn das „Wir“ wirklich universal gedacht ist, was bleibt dann vom spezifisch patriotischen Teil noch übrig?
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