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Theresa Bäuerlein @bojerlanski@norden.social
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„Was bin ich wert, wenn ich nicht nützlich bin, wenn ich nicht produziere?“, fragte @afelia neulich in einem Video. Sie ist vor ein paar Jahren an ME/CFS erkrankt.

Mein erster Gedanke war: Leistung hat rein gar nichts damit zu tun, wie viel ein Mensch wert ist. Ist doch klar!

Dann habe ich mir mein eigenes Leben angesehen. Und musste zugeben, wie oft ich genau an dieser Überzeugung scheitere.

Ein THREAD 🧵
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Theresa Bäuerlein @bojerlanski@norden.social
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Ein Beispiel: Ich zögere Krankmeldungen oft hinaus, bis es gar nicht mehr anders geht. Dabei spüre ich auch noch einen merkwürdigen Stolz: Ich will ja alles geben, nur mein Körper lässt mich nicht!

Ich wollte wissen, woher das kommt, und habe recherchiert.
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Eine klare Antwort auf das Warum habe ich nicht gefunden, aber etwas, das vielleicht noch interessanter ist:

Wer will, dass Menschen gute Leistungen bringen, sollte aufhören, ihnen einzureden, dass ihr Wert davon abhängt. Nicht aus Freundlichkeit, sondern aus ganz pragmatischen Gründen.
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Theresa Bäuerlein @bojerlanski@norden.social
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Die Sozialpsychologin Jennifer Crocker erforscht seit über zwanzig Jahren, was mit Menschen passiert, die ihren Selbstwert an Leistung knüpfen. Sie strengen sich zunächst mehr an. Sobald sie aber unsicher sind, ob der Erfolg noch kommt, geben sie das Ziel auf.

Studierende, deren Selbstwert an Noten hing, übten vor einem als schwer angekündigten Test weniger als vor einem leichten.
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Theresa Bäuerlein @bojerlanski@norden.social
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Mir kommt das unangenehm bekannt vor. Physik hat mich in der Schule eigentlich interessiert, ich habe es links liegen gelassen. Ich wollte lieber eine schlechte Note, weil ich zu wenig gelernt hatte, als eine mittelmäßige, weil einfach nicht mehr drin war.

Offenbar ist mein Selbstwert noch stärker mit Leistung verbunden, als ich dachte.

Jetzt frage ich mich: Was wäre möglich gewesen, wenn ich diese blöde Idee nicht verinnerlicht hätte?
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Theresa Bäuerlein @bojerlanski@norden.social
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Crocker und ihr Team schlagen einen Ausweg vor, der bei einer anderen Art von Zielen ansetzt. Welche das sind, steht in meinem neuen Newsletter: steady.page/en/verstand-verlieren/posts/cc2ae016-6122-44a6-8c5d-f4433e560eff
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@bojerlanski

Alles Gedanken, die ich vor etlichen Jahren zuhauf hatte.
Ich muss doch was leisten. Ich bin doch erst Anfang/Mitte 20.
Was werden meine Freunde, meine Familie, meine Kollegen - was werden "die Leute" denken.

Direkt nach zig Krankschreibungen, Klinikaufenthalten bis hin zur Erwerbsminderung. Manches nagt auch nach über 25 Jahren an mir.

Es ist ein Aufblitzen, ein Gedanke, ein Kommentar, der meine ganze bisherige Akzeptanz ins Wanken bringen kann.
Dieses "Du kannst doch den Leuten nicht auf der Tasche liegen." oder "Du bist sonst nichts wert"

Es hat 3 Jahre nach dem Beginn meiner EM-Rente bis ich nur ein kleines bisschen verstanden habe, dass ich eben nichts "muss" - außer Leben und überleben (das hab ich für mich irg3ndwann entschieden)

Das es auch dieses System ist, welches mich aufgrund diverser Umstände unter anderem zu dem gemacht hat, was ich heute bin.
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